










Nutzung des Naturreichtums - Entstehung des Kurwesens und der Mineralwassergewinnung in Bilin.
Der Tätigkeitsbereich, dem die Stadt im nachfolgenden Jahrhundert ihre weitere Entwicklung verdankt - das Kurwesen - beginnt sich bereits zu Zeiten der Herrschaft von Fürstin Eleonora zu entwickeln, die im Jahre 1710 von der Stadt die Heilwasserquellen kaufte. Zu dessen Grundlage wurde das hiesige Mineralwasser, das seit jeher für Heilzwecke genutzt worden war. Und im 16. Jahrhundert, in dem Václav Hájek von Libočany seine sagenhaften Geschichten über den Knecht des Gutsbesitzers Košťál schreibt, der eine Heilquelle entdecket haben sollte oder über die mythologischen Primisliden Nezamysl, Mnata und Vojen, die angeblich Bergleute von Slaný geholt haben sollten, um vom Mineralwasser Sprudelsalz zu verdampfen, zeugen diese Erdichtungen davon, dass die hiesigen Quellen bereits allgemein bekannt und genutzt worden waren. Am Ort des derzeitigen Parks am Sauerbrunnen (der Name Sauerbrunnen reflektiert eben dieses Mineralwasser) standen bereits im 18. Jahrhundert die ersten Kurgebäude, die Abfüllanlage war mit dem lobkowitzer Wappen versehen. Im Jahre 1712 wurden die Quellen gereinigt und drei von ihnen wurden für die Nutzung umgebaut. Davon zeugen auch Berichte der Dresdner Ärzte Dr. J. W. Sparmann und Dr. Ch. G. Schwenken, die das Trinken des Biliner Sauerbrunnens für Heilzwecke empfohlen haben. Dr. Schwenken riet, den Biliner Sauerbrunnen vermischt mit Milch bzw. Wein zu trinken.
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Der Ruf und breite Nutzung der Mineralwasserquellen am Sauerbrunnen ist jedoch im Wesentlichen dem Geologen und Balneologen Franz Ambros Reuss (1761-1830) zuzuschreiben. Er war im Lobkowitzer Kurort als Kurarzt tätig. Er bestätigte nicht nur Wirkungen des Biliner Sauerbrunnens, sondern auch des im unweiten Saidschitz entspringenden Bitterwassers. Er verfasste das Werk Bergkunde des nordwestlichen Mittelgebirges und Mineralogische Geographie von Böhmen. Mit seinem Buch Naturkunde des Biliner Sauerbrunnens verbreitete er den Ruf des Kurorts Bilin bis jenseits der Grenzen der Monarchie. F.A. Reuss, Doktor der Pharmazie und Philosophie, seit 1808 Bergrat, anschließend Direktor der Werke des Lobkowitzer Guts in Bilin und gleichzeitig Mitglied der Königlichen böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag und korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen, wird als Gründer der böhmischen Balneologie genannt. Seine Beziehung zur böhmischen Heimat wird ansonsten prägnant durch seine Lebensüberzeugung zum Ausdruck gebracht. "Es ist eine Schande, im Land zu leben und sich zur Heimat nicht zu bekennen". Er war zugleich ein großer Befürworter der Nutzung von Kohle, die zwar damals längst bekannt war, jedoch nicht besonders ausgenutzt wurde. Er betrachtete Kohle als eine billige und wirksame Wärmeenergiequelle, die Holz ersetzen konnte. Es ist möglich, dass es auch einer der Gründe war, warum man gerade hier, in der Umgebung von Bilin und Dux, die Kohlenförderung in Nordböhmen aufgenommen hat.
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Zum Pächter der Biliner Quelle wurde bald Georg Schwab und von diesem wurde auch zum ersten Mal der Sauerbrunnen in keramischen, mit Wachs versiegelten Krügen und später in Flaschen vertrieben. Die Anfangsjahresproduktion der Produktionsstätte waren 1689 Krüge. Im Jahre 1781 erhöhte sich die Produktion auf 9144 ausgelieferte Krüge, im Jahre 1786 wurden bereits 40 000 Krüge ausgeliefert. Krüge oder Flaschen, täglich wurden 500 bis 600 abgefüllt, wurden in Kisten je 20 Stück verpackt und eine Kiste kostete 4 Goldtaler, ein einzelner Krug oder Flasche den 9 Kreuzer. Ein Problem war im Jahre 1789 für den Kurort ein Erdrutsch, bei dem Beschädigung der Quellen drohte. Die Befürchtungen sind zum Glück nicht in Erfüllung gegangen.